Interview
mit Alessandro Matta

Alessandro Matta, Maler aus Florenz, hat nicht nur das Gemälde geschaffen,
das die Tasche Lizzie Rust ziert. Nein, er ist es auch, der der Hauptperson in der Geschichte rund um die Entstehung der Tasche sein Gesicht leiht.
Während des Fotoshootings hatten wir Zeit, ein paar Worte mit Matta zu wechseln. Wir wollten natürlich zuallererst etwas über ihn und sein Werk wissen.

Alessandro, lass uns eine ganz pragmatische Frage vorneweg stellen: Wann hast Du eigentlich mit dem Malen angefangen?

Mein erstes Bild stammt aus dem Jahr 2004, ich habe also erst als Erwachsener angefangen zu malen. Allerdings war ich daheim schon von klein auf von jeder Menge Kreativität umgeben. Jeder Einzelne in unserer Familie hat eine Leidenschaft für irgendeine Form von Kunst: für den Gesang, die Musik, den Tanz. Und jeder Einzelne hat diese Leidenschaft auch ausgelebt, auch wenn er beruflich etwas ganz anderes getan hat.

Dieses tägliche Eingetaucht-Sein in die Kunst hat meinen künstlerischen Drang sicher gefördert. Schon mit fünf Jahren habe ich von meinem Vater Block und Bleistift bekommen, um zeichnen zu können. Damals hatte ich Spaß daran, Comicfiguren abzuzeichnen. Nach und nach habe ich gemerkt, dass mich das Zeichnen entspannt, aber Ambitionen hatte ich keine. Irgendwann hat dann ein Schalter umgelegt. Wie und warum weiß ich eigentlich nicht, vielleicht auch nur aus der Lust heraus, etwas Neues auszuprobieren, habe ich mir Leinwand, Pinsel und Farben gekauft – und seitdem habe ich mit dem Malen nicht mehr aufgehört.

Schritt für Schritt habe ich mich dann der Welt der Kunst immer mehr angenähert und auch erste Bilder ausgestellt. Zuerst unter Freunden, die eine ähnliche künstlerische Veranlagung hatten, in Sammelausstellungen, in denen von der Malerei über die Fotografie bis hin zur Bildhauerei alles gezeigt wurde. Mich als Autodidakten hat dabei die Reaktion der Fachleute überrascht, die meine Werke von Anfang an gelobt haben. Und so kam es, dass ich 2006 meine erste Ausstellung an der GaMEC, der Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst in Bergamo, eröffnen durfte – in einer Galerie, die Werke von Radice, Fontana oder Kandinsky zeigt, um nur einige zu nennen.

Danach konnte ich meine Werke in eigenen oder in Sammelausstellungen in Italien und im Ausland zeigen, darunter auch an wirklich prestigeträchtigen Locations: im Quirinal in Rom, etwa, im Museum „Casa di Dante“ in Florenz, im Salvador-Dalì-Museum in Berlin oder bei der Miami River Art Fair.

Zum ersten Mal wird nun eines Deiner Werke mit einer Marke in Verbindung gebracht: Was war das Neue an dieser Erfahrung?

Ich habe schon früher mit Brands zusammengearbeitet, die Projekte sind aber nie konkret umgesetzt worden. Lizzie Rust ist damit das erste handfeste Projekt. Nachdem ich allerdings seit zehn Jahren freier Werbegrafiker bin, waren viele der Arbeitsschritte für mich keine Unbekannten.

Zum ersten Mal aber hatte ich hier die Möglichkeit, mein berufliches und künstlerisches Schaffen unter einen Hut zu bringen. Daraus entstanden ist ein Bild in einem mehr als ungewöhnlichen Kontext, und zwar in Zusammenarbeit mit einem Stab kompetenter und engagierter Fachleute. Zu sehen, was aus einem Bild werden kann, wenn man es einem solchen Expertenteam anvertraut, war für mich unglaublich.

Dazu kommt, dass ich großen Spaß an diesem Projekt hatte, weil ich ihm ja auch mein Gesicht geliehen habe. Der Kontext war demnach nicht nur für mein Bild ein ungewöhnlicher, sondern auch für mich als Künstler. Eines meiner Werke auf einem solchen Weg begleiten zu dürfen, war eine überaus angenehme Erfahrung.

Mein Dank gilt deshalb auch Gaetano Bucci und seinem Team bei Genetica: Flavio, Alessia, Erico, Daniel, Daniela, Marion und Alessio. Sie haben mich in jeden Schritt miteinbezogen und es war eine Riesenerfahrung. Und es ist ja auch alles glatt gegangen – von ein paar anfänglichen Problemen mit der Kupplung der Vespa einmal abgesehen…

Wie ist dieses Werk überhaupt entstanden? Was hat Dich inspiriert, was während des Malens geleitet?

Dieses Werk war ein Auftragswerk und wie bei jedem Auftragswerk gab es auch hier einige Vorgaben, an denen ich mich orientieren konnte. Aber wie es sich für einen Künstler gehört, habe ich auch in dieses Werk ganz viel Persönliches gesteckt.

Weil die Geschichte in den 1960ern spielt, habe ich mich etwa in Sachen Kontext und Farben an Twiggy Lawson orientiert, einem berühmten Model aus dem London jener Zeit. Es hat viel Spaß gemacht, sich in diese schillernde Persönlichkeit einzuarbeiten und sich tagelang in die Stimmungslage des Swinging London und der Beat Generation zu versetzen.

Wieder pragmatischer: Welche Technik steckt hinter dem Werk?

Die Frage nach der Technik ist eine, die mich in meiner ganzen Karriere begleitet hat. Schon als ich angefangen habe zu malen, war es mein Ziel, einen ganz eigenen Stil zu finden, der mich von allen anderen abheben würde: sei es im Malstil, sei es in den verwendeten Materialien.

Ich arbeite mit Ölfarben auf Altholz, weil mir die Vorstellung gefällt, dass die Kunst alten Dingen neues Leben einhauchen kann. Deshalb frage ich bei meinen Freunden und Bekannten auch regelmäßig nach, ob auf deren Dachböden etwas lagert, das sie loswerden wollen und das für mich zu gebrauchen ist. Bei Lizzie Rust war das nicht anders. Da habe ich den Tischler besucht, der seine Werkstatt gleich neben meinem Atelier hat. In einem Stapel Holz, der als Verschnitt verbrannt werden sollte, habe ich dort genau das Stück gefunden, auf dem Lizzie Rust entstanden ist. Weil ich nun einmal keine vorgefertigten Unterlagen verwende, nimmt das Expertenauge auch sofort wahr, dass meine Bilder keine Standardmaße haben und auch untereinander stark voneinander abweichen. Ich denke, dass das ein Mehrwert meiner Werke ist und sie noch einzigartiger macht.

Was malst Du eigentlich besonders gern und warum?

Ich male vor allem Frauen. Lange Zeit habe ich mich nicht gefragt, warum das so ist. Erst als ich immer danach gefragt wurde, habe ich versucht, den Grund dafür zu finden. Ich glaube, er liegt in meiner Herkunft. Ich bin auf Elba geboren wie meine Mutter, während mein Vater Sarde ist. Ich bin also gleich doppelter Insulaner, Sardinien aber hat mich künstlerisch noch stärker inspiriert.

Dort ist die Familie eine matriarchalische, die Frau spielt eine zentrale Rolle, rund um sie dreht sich das ganze Leben. Zudem ist meine Familie ziemlich weiblich geprägt, sowohl mein Vater als auch meine Mutter hatten je zwei Schwestern, ich war also von klein auf von Frauen umgeben. Sie zu malen, war demnach eine natürliche Entwicklung. Es ist meine Art, der Weiblichkeit zu huldigen – und allem, was sie in meinem Leben bedeutet.

Letzte Frage: Kannst Du Dein Schaffen jemandem, der es nicht kennt, mit drei Worten beschreiben?

Essentiell, unmittelbar, ehrlich.

Hat die Geschichte von Lizzie Rust Lust gemacht? Lust auf ihre Tasche vielleicht? Die gibt’s auch online.

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